Deutscher Gewerkschaftsbund

25.09.2014

Geschichte des Gewerkschaftshauses Kiel (Teil 2)

Noch einmal geriet das Gewerkschaftshaus in die Schlagzeilen, als am 7. April 1975 ein Großbrand in einer Schadenshöhe von 5 Millionen DM weite Teile der Restaurations- und Versammlungsräume vernichtete. Dieses Unglück war beim Wiederaufbau zugleich der Anlaß für eine Modernisierung. Auf das Hotel wurde verzichtet. Es kamen neue Versammlungsräume, eine Kegelbahn, ein Parkhaus und ein eigenständiges Jugendheim hinzu. Und weitere Partner zogen ein: die Büchergilde Gutenberg, der Auto Club Europa (ACE) und das Reisebüro "Nach Feierabend".

Das Kieler Gewerkschaftshaus ist ein Haus, das nicht nur als Bauwerk seine eigene Geschichte hat, sondern wie kaum ein anderes vor allem auch deutsche Geschichte dokumentiert. Die folgenden Daten belegen dies eindrucksvoll:

1907/08
Einrichtung eines Arbeitersekretariats zur Beratung und Vertretung der Gewerkschaftsmitglieder in allen Fragen aus dem Arbeitsverhältnis; ab 1912 besetzt mit Friedrich Bauer; dem späteren Bevollmächtigten Hamburgs bei der Deutschen Reichsregierung.

Anfang November 1918
Zentrum der Zusammenkünfte des Arbeiter- und Soldatenrats im Zimmer 13 des Gewerkschaftshauses mit dem späteren Reichswehrminister Noske als Vorsitzenden; Impuls zur Ausrufung der ersten Deutschen Republik am 9. November 1918 in Berlin

März 1920
Gewaltsame Zusammenstöße mit Anhängern des Kapp-Putsches mit zahlreichen Toten und Verletzten; Überwindung des Kapp-Putsches durch Generalstreik.

2. Mai 1933
Besetzung des Gewerkschaftshauses durch die SA und Übernahme des Hauses durch die DAF

1945 - 47
Beschlagnahme und Nutzung durch die britische Besatzungsmacht (Empire House).

1956/57
Zentraler Tagungsort für den 16-wöchigen Streik der Metallarbeiter um die Gleichberechtigung mit Angestellten im Krankheitsfall.

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Trauerzug zur Beerdigung der Opfer des Kapp-Putsches DGB

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Postkarte mit Ansicht des Gewerkschaftshauses um 1907 DGB

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Gedenktafel am Gewerkschaftshaus an den 9. November 1918 DGB


Die "Bewohner" des Gewerkschaftshauses waren auch sehr geschichtsbewußte Menschen. Davon zeugt auch ein Bericht in der Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung vom 2. August 1916 über die 25-Jahr-Feier des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV). Dort heißt es unter anderem: "Garbe (seit 1905 Vorsitzender der Verwaltungsstelle) gedachte der opferreichen und trotzdem treuen Mitarbeit der Obmänner und Vertrauensleute. Trotz aller Maßregelungen wurden die Posten stets aufs neue besetzt.

Der Verband war in seinem Entwicklungslaufe nicht mehr aufzuhalten. Heute werden die Vertrauensmänner respektiert (...) Er ermahnte, die Beiträge zur Kriegshilfe treu weiterzuzahlen (...) Das Bauwerk der Verbandsorganisation muß über den Krieg hinaus erhalten bleiben." Und am 19. Juli 1926 berichtete die VZ folgendes: "In diesen Tagen blickt die Metallarbeiterschaft Kiels auf ein 35-jähriges Bestehen der Verwaltungsstelle Kiel des DMV zurück. Rund fünfzig Jahre ist es her; dass sich die damalige Kieler Metallarbeitergewerkgenossenschaft eine Fahne gab. Ein ganzes Menschenalter liegt hinter der Kieler Metallarbeiterorganisation. Das war Grund genug, die alten Kampfgenossen, die Veteranen des Verbandes, zu einer würdigen Feier zusammenzuholen. Diese Jubiläumsfeier fand an Sonnabend im großen Saal des Gewerkschaftshauses statt."

Das Bewußtsein um die Bedeutung des eigenen Hauses verdeutlicht auch die Feier aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Gewerkschaftshauses im Herbst 1957. Bruno Verdieck, der damalige Vorsitzende des DGB-Ortsausschusses Kiel, gab gemeinsam mit der GmbH das Buch "Unser Haus" heraus.   Geschichtsbewußtsein wurde noch einmal bewiesen, als im November 1978 eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Matrosenaufstand vor sechzig Jahren an der Aussenfront angebracht wurde.

Nach einem Text von Karl-Heinz Köpke aus den Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 79, Heft 6

Geschichte des Kieler Gewerkschaftshauses (Teil 1)

Geschichte des Kieler Gewerkschaftshauses (Teil 3)


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