Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 0117 - 10.01.2017

DGB: 2017 – Kurs: Gute Arbeit

„Um im Bild zu bleiben:“, so Frank Hornschu, Vorsitzender der DGB Kiel Region, „In 2016 haben wir Gewerkschaften die Chancen genutzt und das Boot klar gemacht, jetzt heißt es Segel setzen, Leinen los und Fender weg - vor dem Wind nehmen wir Kurs Richtung Gute Arbeit.“

 

Die Koordinaten für diesen Kurs ergeben sich für die Gewerkschaften in ihrem Bund, dem DGB, aus den außergewöhnlichen Leistungen, der enorm hohen Qualität und den exzellenten Innovationen, die die Beschäftigten tagtäglich erbringen. Diese Kompetenzen, Fähigkeiten und Kenntnisse gilt es im rasanter werdenden Wandel zu stabilisieren und auszubauen. Hierzu haben die Gewerkschaften die Initiative in 2016 ergriffen: Sie konnten alle Fraktionen im Kieler Rathaus überzeugen. Noch im Januar wird es einen fraktionsübergreifenden Antrag zur Einrichtung einer „Kommission für Berufsbildung, Beschäftigung und Wirtschaft“ geben. Auch die Unternehmen, die Wirtschaftsförderung, die Agentur für Arbeit und das Jobcenter sind mit „an Deck“.

 

Kommission für Berufsbildung, Beschäftigung und Wirtschaft

 

Die einzurichtende Kommission, so die DGB-Initiative, soll vom Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernenten der Landeshauptstadt Kiel, Herrn Dr. Ulf Kämpfer, geleitet werden. Mit allen Akteuren der Wirtschaft und der Politik, so das Ziel, soll der Dialog über Berufsbildung, Beschäftigung und Wirtschaft geführt werden.

Hornschu zeigt sich überzeugt: „Nur im Miteinander können wir uns in der Kiel Region erfolgreich den Herausforderungen der Globalisierung, Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung stellen. Dabei wird es auch darum gehen den entstandenen Verunsicherungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt adäquat entgegenzutreten. Die Ausbildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen müssen deutlich besser werden. Mit ihnen ließen sich z. B. die Absolvent/innen der ausgezeichneten Bildungseinrichtungen, wie den Regionalen Bildungszentren oder den Hochschulen, als Fachkräfte gewinnen. Wir Gewerkschaften werden dazu die verschütteten Vorteile, die zweifelsohne u. a. in den sozialversicherungspflichtigen, tarifgebundenen und mitbestimmten Beschäftigungsverhältnissen liegen, konsequent hervorheben.“

 

Masterplan Gute Arbeit verankern

 

Von den rund 125.000 Beschäftigungsverhältnissen in Kiel sind etwa 70.000 atypisch und prekär (befristet, unfreiwillig in Teilzeit, Leih- und Zeitarbeit, Werkverträge, Soloselbständigkeit, Minijobs etc.). Zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben reichen die Einkommen sehr häufig trotz Mindestlohn nicht. Öffentliche Transferleistungen und Altersarmut sind die Folgen. Etwa 3.000 junge Frauen und Männer haben keinen Ausbildungsplatz. Gut 34.000 Menschen, häufig Alleinerziehende, suchen seit Jahren eine existenzsichernde Beschäftigung.

„Diese Zahlen“, so Hornschu, „verdeutlichen neben dem Handlungsdruck die Verunsicherung Zigtausender in unserer Stadt. Diese Menschen warten zu Recht auf Optionen, Planungssicherheit, Perspektiven und Zuversicht. Eben diese sind für die Widerstandsfähigkeit unseres Gemeinwohls und für sozialen Zusammenhalt unerlässlich.“

Lohn- und Sozialdumping sind nicht wählbar

 

Die politischen Rahmenbedingungen in unserem Land spielen hierbei die entscheidende Rolle: Vorstellungen, wie z. B. die,

 

  • die die gesellschaftliche Spaltung vorantreiben,

  • die die Menschen gegeneinander ausspielen und aufhetzen,

  • die die Kommunen gegen das Land aufbringen,

  • die unsere Demokratie letztlich im vollem Umfang in Frage stellen,

     

lösen die Verunsicherung, die Ungleichheit und die Herausforderungen der Zukunft in keinster Weise.

„Diese Art von Vorstellungen richten sich allesamt gegen die Menschen. Sie sind eine sehr große Gefahr für unsere Demokratie. Sie werden, so unsere Erfahrungen“, ist Hornschu absolut sicher, „unsere Lage noch schlimmer machen. Gerade jetzt - in Zeiten der Veränderung - brauchen wir eine klare, unmissverständliche  Haltung. Die der Gewerkschaften lässt sich mit solidarisch, demokratisch, gerecht und weltoffen umschreiben. Eine solche Haltung garantiert Orientierung. Sie ist uneingeschränkt die Grundlage für Gute Bildung, für Gute Arbeit und für ein Gutes Leben für alle.“

 

Kompetenzen, Fähigkeiten und Kenntnisse

 

Die eingangs beschriebenen außergewöhnlichen Leistungen, die enorm hohe Qualität und die exzellenten Innovationen der Beschäftigten können im rasanter werdenden Wandel nur stabilisiert und ausgebaut werden,

 

  • wenn Standards und Errungenschaften nicht abgesenkt,

  • wenn die Menschen wahrhaftig und aufrichtig in die Prozesse der Veränderung in Gesellschaft und am Arbeitsplatz vollumfänglich mit einbezogen,

  • wenn ihnen dabei von Beginn an keine Informationen vorenthalten werden und

  • sie im Zuge der Beteiligung eine wertschätzende, anerkennende und respektvolle Mitsprache und Mitwirkung eingeräumt bekommen.

 

All dies braucht Verlässlichkeit.

 

Solidarisch, demokratisch, gerecht und weltoffen

 

 „Gerade im bevorstehenden Landtagswahlkampf,“ so Hornschu abschließend, „werden wir Gewerkschaften die Angebote der Parteien intensiv prüfen. Klar ist schon heute, wählbar wird nur sein, wer sich der Solidarität, der Demokratie, der Gerechtigkeit und der Weltoffenheit verpflichtet fühlt und wer den Wähler/innen lebensnahe wie auch glaubhafte Angebote zu Guter Bildung, Guter Arbeit und zu einem wirklich Guten Leben für alle unterbreitet - ausschließlich daran werden wir Gewerkschaften die Angebote der Parteien messen.“


Nach oben