Deutscher Gewerkschaftsbund

PM - 14.08.2008

DGB: In Kiel arbeiten 2.310 Ältere trotz Rente weiter

Für viele Rentner in der Landeshauptstadt Kiel sieht es finanziell schlecht aus. "Um nicht zu verarmen, jobben immer mehr Rentner", so der DGB-Vorsitzende der Region KERN, Ralph Müller-Beck.

Die jüngsten Daten des DGB Kiel zeigen:
2.310 Ältere über 65 Jahre hatten 2007 in (Kiel) einen Minijob. Gegenüber 2003 hat sich ihre Zahl um 678 Personen bzw. 41,5 % erhöht. Sie stieg damit deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt. Diese Fakten hat der DGB durch eine Sonderauswertung der amtlichen Statistik ermittelt.

Viele Rentner seien bei niedriger Rente auf einen Minijob angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen; denn die Renten sind in den letzten Jahren preisbereinigt deutlich gesunken. Auch für langjährig Versicherte lag die Altersrente in 2007 im Durchschnitt im Westen bei 1.443,21 Euro pro Monat und 933,74 Euro im Osten. Langjährig Beschäftigte, die zuletzt auf Hartz IV angewiesen waren, erhalten im Schnitt eine um 20 - 30 % niedrigere Rente. 2007 mussten sie sich im Westen mit 809,29 Euro zufrieden geben, im Osten erhielten sie nur 761,56 Euro im Monat.

Auch für langjährig Erwerbstätige sind die Renten in den letzten Jahren im Schnitt spürbar gesunken und zwar um 32 Euro pro Monat bzw. 3,4 % im Osten bzw. 50 Euro pro Monat oder 4 % im Westen. Hinzu kommt die Preissteigerungsrate, die die Kaufkraft zusätzlich vermindert.

"Mit der Ausweitung von Niedriglohn und prekärer Beschäftigung droht sich der Anteil der Rentner weiter zu erhöhen, die jobben müssen, um möglichst nicht zu verarmen", so der DGB-Vorsitzende der Region KERN. Zugleich steigt die Zahl jener, die noch vor Erreichen des Ruhestandes in eine prekäre Lebenssituation geraten. Im Januar 2008 waren in der Landeshauptstadt Kiel bereits 5.282 Menschen im Alter von 50 - 65 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Trotz noch guter Konjunktur stieg ihre Zahl gegenüber Anfang letzten Jahres um 124 bzw. 2,4 %. Jeder siebte bis achte Einwohner in Kiel zwischen 50 und 64 Jahren ist inzwischen von Harzt IV abhängig. Anfang 2007 wurden die Rentenversicherungsbeiträge für sie halbiert. Für ein volles Jahr des Hartz IV-Bezugs steigen die monatlichen Rentenanwartschaften nur noch um 2,19 Euro. Für viele von ihnen droht sich die Armut ins Rentenalter fortzuschreiben.

Anlage Entwicklung der Minijobs 2003 und 2007 - Juni

Steigerung insgesamt Minijobs der über 65-Jährigen
Stadt Kiel + 25,0 % + 41,5 %
Bund + 26,5 % + 29,2 %
Quelle: Sonderauswertung des DGB

Durchschnittlicher monatlicher Rentenzahlbetrag - Rentenzugang 2007
Altersrente für langjährig Versicherte insgesamt in Euro Darunter Versicherte, die unmittelbar davor Hartz IV-Empfänger waren
2003 2007
2007
Neue Länder (inkl. Ostteil Berlin)
966,09 933,79
761,56 Euro
Westen1.193,25 1.143,21
809,29 Euro
Quelle: DGB-Berechnungen nach Rentenzugangsstatistik 2003 und 2007

Hartz IV-Empfänger im Alter von 50 - 64 Jahren in Kiel
Februar 2008 Veränderung gegenüber dem
Vorjahresmonat
Veränderung absolut 5.307 absolut + 141
in v. H 2,7 %
Hilfequote in v. H. der
Bevölkerungsgruppe 13,3 % + 0,4 %
Quelle: DGB-Berechnungen nach BA-Statistik der Grundsicherung für
Arbeitsuchende, Report für die Stadt Kiel

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