Deutscher Gewerkschaftsbund

08.05.2012

Soziales Bündnis für Schleswig-Holstein

Altersarmut bekämpfen - heute die Weichen für morgen stellen

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DGB KERN

Eine dramatisch ansteigende Altersarmut wird in den kommenden Jahren zu einer der größten sozialen Herausforderung der Zukunft. Laut dem 3. Nationalen Armuts- und Reichtumsbericht (Mai 2008) entspricht das Armutsrisiko von Seniorinnen und Senioren mit aktuell 13 Prozent genau dem bundesdeutschen Durchschnitt. Am Jahresende 2008 erhielten rund 768.000 Menschen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich diese Zahl um 35.000 oder 4,8 Prozent. Seit 2005 (rund 439.000) hat sich die Zahl beinahe verdoppelt.

Altersarmut ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die beschlossene Absenkung des staatlichen Rentenniveaus sorgt dafür, dass immer mehr Menschen im Alter vor einem immensen Problem stehen. Besonders gefährdet sind Niedriglohnbeschäftigte, Langzeitarbeitslose, Erwerbsgeminderte und viele Selbstständige, die wegen ihrer sozialversicherungsfreien Erwerbstätigkeit erhebliche Lücken im Versicherungskonto haben.

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf. Die Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein, der DGB Nord und der Sozialverband Deutschland in Schleswig-Holstein  haben sich 2007 im Sozialen Bündnis für Schleswig-Holstein zusammengeschlossen, um gemeinsam als Anwalt der Bürgerinnen und Bürger und im Dialog mit den politisch Verantwortlichen für mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Gemeinsam haben wir ein Thesenpapier mit Forderungen und Vorschlägen zur Bekämpfung von Altersarmut erarbeitet.  

Wir fordern:
- Armutsfeste Löhne auf dem Arbeitsmarkt durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes
  und die Stärkung von Tariflöhnen.

- Die Wiederherstellung der solidarischen und paritätischen Finanzierung in der Kranken- und
  Pflegeversicherung sowie die Weiterentwicklung zu einer Bürgerversicherung unter Einbeziehung
  aller Einkommensarten. Nur durch die sozialstaatliche Absicherung der Risiken des höheren
  Lebensalters ist Teilhabe trotz Krankheit oder Pflegebedürftigkeit  möglich.

- Flexibles Renteneintrittsalter bei bestimmten Berufsgruppen (z.B. Pflegekräfte, Dachdecker oder
  Maurer).


Den Ausbau von Leistungen für erwerbsgeminderte Menschen, um ihnen einen sozialverträglichen Übergang vom Berufsleben in die Rente zu ermöglichen.

- Rücknahme der Streichung der staatlichen Zuschüsse zur Rentenversicherung für Hartz-IV-
  Empfänger.

- Langfristig geförderte sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsangebote für ältere und gering
  qualifizierte (Langzeit-)Arbeitslose, für Menschen mit chronischen Erkrankungen und
  Behinderungen und die Förderung entsprechender Beschäftigungs- und Wiedereinstiegschancen.

- Das Rentenversicherungssystem und die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt müssen
  zusammenpassen: Statt Mini–Jobs Schaffung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen und
  stärkere Begrenzung des Niedriglohnbereiches.

- Verbesserte  Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um besonders Frauen
  eine Verlängerung ihrer Erwerbsjahre zu ermöglichen. Sie sind aufgrund mehrjähriger
  Erziehungszeiten/Pflege von Angehörigen verstärkt von Kleinstrenten und daher Altersarmut
  betroffen.

- Einführung eines Freibetrags in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (erworbene
  Rentenansprüche dürfen bei der Grundsicherung nicht komplett angerechnet werden)

- Langfristig die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung – analog dem Modell der
  Bürgerversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung: Das System der gesetzlichen
  Rentenversicherung wird hierdurch auf ein noch breiteres Fundament gestellt

Wir laden Sie herzlich ein zur Auftaktveranstaltung unserer landesweiten Kampagne

„Altersarmut bekämpfen – heute die Weichen für morgen stellen“


am Montag,  11.Juni 2012
ab  18.00 Uhr
in der  Räucherei, Preetzer Str. 35 in 24143 Kiel
                                                 


Prof. Dr. Ernst Kistler vom Internationalen Institut für empirische Sozialökonomie und Autor des Buches „Die Methusalem-Lüge“ hält einen Vortrag zum Thema „Demographischer Wandel“.      

Anschließende Diskussionsrunde mit:

Prof. Dr. Ernst Kistler        Institut für empirische Sozialökonomie und Autor
Ulrich Wachholtz                Präsident  Unternehmensverband Nord (- angefragt- )
Wolfgang Baasch               Vorsitzender AWO Landesverband Schleswig-Holstein
Uwe Polkaehn                    Vorsitzender DGB Nord
Sven Picker                        Vorsitzender SoVD  Schleswig-Holstein

Moderation: Heike Stüben  

Wir freuen uns auf Sie.


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